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SACHMÄNGEL UND REKLAMATIONEN

 

Oberflächenfehler Güte S235JR+C
Automatenstahl 11SMn30+SH mit Flugrost, ohne Narbenbildung

 Inhaltsverzeichnis

 

1.  Allgemein

2.  Materialfehler

     2.1.  Oberflächenfehler

     2.2.  Innenfehler

3.  Prüfbescheinigungen

4.  Transportschäden

5.  Haftung

 

 

 

 

 

 

 

Leicht verbogene Blankstahlstäbe, flach, 15/8mm, S235JR+C, kaltgezogen

Aufgrund des technischen Fortschrittes in der Metallurgie sind Werkstofffehler bei technischen Werkstoffen (Qualitätstähle, Edelstähle, Aluminiumknetlegierungen etc.), die zum Ausfall des Werkstoffes führen können, statistisch gesehen relativ selten. 

Ein während des Kaltscherens entstandener Riss. Eine verzögerte Rissbildung ist auch möglich.
Längsgerichteter Riss bei einem Blankstahlstab der Güte S235JRC+C entstanden während des Kaltscherens. Eine verzögerte Rissbildung ist auch möglich.

Trotz sorgfältiger Überprüfung jeder einzelnen Bestellung, können wir als Händler sowie die Hersteller der Werkstoffe, Material- wie auch Ausführungsfehler nicht gänzlich ausschließen. Wir gehen von einer Wareneingangsprüfung beim Kunden nach § 377 HGB aus.

Stellen Sie bitte Ihre Fragen und Reklamationen per E-Mail schriftlich und möglichst mit hochauflösenden Bildern. Wir kümmern uns dann schnellstmöglich um eine Ersatzlieferung oder unter Umständen um eine Rückerstattung der Einkaufssumme.

 

 

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Allgemein

 

Drehteile von der Güte 1.4301 (V2A) mit einem Riss in Längsrichtung (zwischen 1 und A)

Wir bitten alle Kunden, vor jeder Ver- und Bearbeitung der Halbzeuge, die gelieferten Halbzeuge auf "erkennbare" Mängel (allg. § 377 HGB) wie Maßgenauigkeit (Abmessung, Toleranzen), Länge, optisch erkennbaren Mängel wie Verdrehung, Winkligkeit, Geradheit und soweit möglich auf angegebene Legierung zu überprüfen (Oberflächenbeschaffenheit, Magnetisierbarkeit etc.). 

Riss am Ende eines Blankstahl-Winkels der Güte S235JRC+C der aufgrund Unebenheiten beim Vormaterial beim Ziehen entstanden ist

Bei Feststellung von Oberflächen- oder Innenfehlern bei der Weiterverarbeitung, wie z.B. Lunker oder Risse ist der Prozess zu unterbrechen, die komplette Charge zu sperren und unverzüglich zu reklamieren. Sollten wir eine Rücknahme akzeptierten, bedeutet das grundsätzlich keine Anerkennung von Sachmängeln nach § 434 BGB, insbesondere von Schadensersatz, Wandelung und Gewährleistungsansprüchen nach § 377 HGB Abs. 2. Alle erwähnten DIN- und Europäischen Normen auf unserer Webseite, sowie auf unseren Lieferscheine, Rechnungen, Bestellbestätigungen etc. dienen allein der Beschreibung von Eigenschaften von Werkstoffen und nicht der ausdrücklichen oder konkludenten Zusicherung von Eigenschaften. Eine Ausnahme ist die Mitbestellung eines Abnahmeprüfzeugnisses 3.1 nach DIN EN 10204:2004.

 

 

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Materialfehler

 

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Tiefe, geradlinige Ziehriefen auf der Oberfläche von zwei 8/8mm Vierkant-Blankstahlstäben der Güte S235JRC+C, auf runden Blankstäben gelegt

 

Materialfehler sind unerwünschte Nebenerscheinungen die z.B. beim Herstellungsprozess der Werkstoffe (wie z.B. Stahlerschmelzung- Seigerungen) oder bei der späteren mechanischen Umformung (z.B. Kaltziehen- Ziehriefen), Wärmebehandlung (z.B. Abschrecken beim Vergüten- Härtespannungsrisse) oder bei einer unsachgemäßer Lagerung (z.B. Rost durch Kondenswasser) enstehen

Oberflächen- und Kantaufbrüche aufgrund Beschädigungen beim Vormaterial bei Sechskant-Blankstäben der Stahlsorte S235JR+C
Oberflächen- und Kantaufbrüche aufgrund Beschädigungen beim Vormaterial bei Sechskant-Blankstäben der Stahlsorte S235JR+C

Die abgebildeten Anomalien sind nur Abweichungen von den Standards und Normen und müssen nicht unbedingt zum Versagen eines Bauteils oder des Werkstoffs führen.

Viele Profile von Aluminiumknetlegierungen bekommen noch im Herstellungswerk nach dem Strangpressen kleine Kratzer. Kleinere Kratzer auf Aluminium-Rohren, Profile und Stangen sind handelsüblich und stellen keinen Sachmangel dar. Sollten Aluminium-Profile (in der Regel EN AW-6060 [AlMgSi] und EN AW-6082 [Al Si1MgMn]) eloxiert werden, bitten wir um eine schriftliche Mitteilung, damit wir möglichst kratzerfreie Profile heraussuchen können.

 

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 Oberflächenfehler

 

Schale auf der Oberfläche eines Flachstabes der Güte S235JR+C, die auf dem Vormaterial vorhanden war und nach dem Ziehen zum Teil abgebrochen ist

Oberflächenfehler wie Poren, tiefere Kratzer, Ziehriefen etc., sind bei Blankstählen gemäß EN 10277‐1 Klasse 1 zu tolerieren. Wie in EN 10277‐1 7.7 beschrieben, sind Oberflächenfehler bei kaltgezogenen Blankstahl- Erzeugnissen bis zu einem gewissen Grad nicht auszuschließen und erlaubt (s. Tabelle 1 unten).

Lappenartige Schale auf der Oberfläche eines kaltgezogenen Stabes der Güte 16MnCr5+C mit nur einer Verbindung zum Grundwerkstoff, Ursache- Vormaterialfehler
Lappenartige Schale an der Oberfläche eines kaltgezogenen Stabes der Güte 16MnCr5+C mit nur einer Verbindung zum Grundwerkstoff, Ursache- Vormaterialfehler

Desweiteren ist der Oberflächenzustand von runden Profilen und allen anderen Profilarten laut dieser Norm miteinander nicht zu vergleichen. Viele Oberflächenanomalien bei gezogenen Stäben kommen bei Erzeugnissen der Stahlsorte S235JRC+C vor. Oberflächenfehler bei gezogenen Blankstahlerzeugnissen sind meistens Ergebnis von einem schlechten Fließverhalten beim Ziehen. Weitere Materialfehler sind Schalen, eingewalzter Zunder, Restzunder auf dem Vormaterial sowie auf dem Material haften gebliebene Strahlkörner, die beim Ziehen in den Werkstoff eingedrückt werden und später kleine Löcher auf der Oberfläche der Stäbe hinterlassen, Überwalzungen beim warmgeformten Vormaterial, Kantenaufbrüche beim Ziehen, längsgerichtete Risse (bes. 42CrMo4+QT+C) die bis in die Kernzone reichen können, schlechte Schmierung des Walzdrahtes im Ziehstein (mögliche Bildung von Reibmartensiten) etc.

 

 

 Tabelle 1- Oberflächengüteklassen nach DIN EN 10277:2017 

 

Zustand

Klasse 1

(gezogene Erzeugnisse)

Klasse 2

 

Klasse 3

(geschälte und geschliffeneErzeugnisse)

Klasse 4

 

Zulässige Fehlertiefe

max. 0,3 mm

für d ≤ 15 mm;

max. 0,02 x d

für 15 < d ≤ 100 mm

max. 0,3 mm

für d ≤ 15 mm;

max. 0,02 x d

für 15 < d ≤ 75 mm

max. 1,5 mm

für d > 75mm

max. 0,2 mm

für d ≤ 20 mm;

max. 0,01 x d

für 20 < d ≤ 75 mm

max. 0,75 mm

für d > 75mm

Herstelltechnisch

rissfrei

Maximaler Prozentsatz

der Liefermasse oberhalb

der festgelegten Grenze

4%

1%

1%

0,2%

Produktform

(ja bedeutet in diesen Klassen verfügbar, nein bedeutet in diesen Klassen nicht verfügbar)

Rund

ja

ja

ja

ja

Vierkant

ja

ja (für d≤ 20 mm)*

nein

nein

Sechskant

ja

ja (für d≤ 50 mm)*

nein

nein

Flach

Ja (die maximale Fehlertiefe

bezieht sich auf den jeweiligen

Querschnitt (Breite oder Dicke))

nein

nein

nein

 

* Rissauffinden mit Wirbelstromprüfung nicht möglich bei Vierkant für d≤ 20 mm und Sechskant für d≤ 50 mm

 

 

 

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Innenfehler

 

Länggerichtete Risse in gefrästen Bauteilen, Güte 42CrMo4V
Innenriss bei einem gefrästen Bauteil der Güte 42CrMo4

Materialinnenfehler wie Lunker, Poren und Innenrisse können meistens durch Sichtprüfungen oder mit Oberflächenprüfverfahren nicht entdeckt werden.

Riss
Innenriss in einem Bauteil von der Aluminiumlegierung EN AW-2007 [AlCu4PbMgMn] Rund 220mm

Verbreitete zerstörungsfreie Methoden sind Ultraschallprüfungen (meistens bei Schmiedestücken verbreitet) oder Röntgenbildauswertungen. Solche Prüfverfahren können jedoch nicht alle Materialfehler entdecken, da sie eine gewisse Mindestgröße von Anomalien wie Lunkerhohlräume und Blasen voraussetzen. Insbesondere Gefügeanomalien können zerstörungsfrei schwer erkannt werden. Solche Fehler werden meistens beim späteren Unterteilen des Materials in Lagerlängen oder bei der späteren CNC-Bearbeitung entdeckt. Bei den zerstörenden Prüfverfahren wird das Bruchaussehen von Probenabschnitten visuell und bei Längsbruchproben metallografisch untersucht. Bei gehärteten Stahllegierungen ist das Auffinden von Gefüge- und

Crevice corrosion on a surface crack by 40x40mm bright steel square stainless steel bar
Tiefer, längsgerichteter Warmriss bei einem blanken, nichtrostenden Vierkantstab 40x40mm der Stahlsorte X5CrNi18-10 ( 1.4301-1.4307) mit Anzeichen von Spaltkorrosion.

Innenfehlern wie Hartkernbildung und Seigerungen, nichtmetallische Ausscheidungen etc. leichter als bei naturharten Legierungen.

Lunker
Großer Lunker in Blockmitte bei einem Qualitätsstahl S355JR+AR

Die Ursachen von Materialinnenfehlern sind sehr unterschiedlich und reichen von ungünstigen Zusammensetzungen des Schmelzgutes, bis zu Fehlern bei der Warmformgebung, Schmieden und ggf. Kaltziehen der Stäbe. Die meisten Innenfehler bei gezogenen Blank- und Edelstählen sind Innenrisse bei vergüteten (42CrMo4+QT+C) und gehärtetten Stahlsorten wie Edelstahlmartensiten, Gefügeanomalien und seltener Lunker oder Poren im Kernbereich. Bei dünnen Abmessungen verschweißt das Kaltziehen eventuell vorhandene, kleine Hohlräume in denen keine Schlacke oder Zunder vorhanden ist.

 

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 Prüfbescheinigungen

 

Kondenswasser auf Blasnkstahl-Flacherzeugnisse
Kondenswasser auf Blasnkstahl-Flacherzeugnissen mit ersten Anzeichen von Korrosion

Prüfbescheinigungen (WZ 2.2 und APZ 3.1) oder eine Konformitätserklärung nach DIN EN ISO/IEC 17050-1 dienen als Nachweis und nur bei einer APZ 3.1 und APZ 3.2 als verbindliche Zusicherung von Werkstoffeigenschaften der gelieferten Produktionschargen und treffen keine Aussagen über die Fehlerfreiheit dieser Werkstoffe. Eine fehlende Prüfbescheinigung, die nachträglich bestellt wird, stellt nach § 377 HGB nicht einen Sachmangel dar. 

Rostansatz im SW Automatenstahl
Flugrost und dickere Rostschichten bei Sechskant-Blankstählen SW 16mm 11SMnPb30 aufgrund schlechter Korrosionsbeständigkeit und unzureichendem Korrosionsschutz

Nicht alle Produktionschargen werden von den Herstellerwerken mit einem APZ 3.1 angeboten (besonders bei S235JRC+C/+SH). Muss eine Lieferung unbedingt mit einem Abnahmeprüfzeugnis 3.1 erfolgen bitten wir um eine vorherige schriftliche Anfrage. Sollten wir keine Chargen mit einem APZ 3.1 mehr finden können, werden wir die Kundin/den Kunden vor dem Versand der Waren kontaktieren. Eine fehlerhafte Prüfbescheinigung befreit den Abnehmer nicht von seinen Rügepflichten und stellt nicht unbedingt einen Sachmangel dar. Bei Fehlern in einer Prüfbescheinigung nach DIN EN 10204:2004 haftet der Hersteller und ggf. seine Abnahmebeauftragten und nicht der Händler. Ausnahme ist ein Abnahmeprüfzeugnis 3.2 nach DIN EN 10204:2004.

 

 

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 Transportschäden

 

Tiefere mechanische Beschädigungen auf der Oberfläche von Rund-Rohren der Aluminiumknetlegierung EN AW-6060 [AlMgSi]
Tiefe, mechanische Beschädigungen auf der Oberfläche von Rund-Rohren der Aluminiumknetlegierung EN AW-6060 [AlMgSi]

Wir versuchen je nach Bedarf alle Waren entsprechend gut zu verpacken. Transportschäden bei der Versandart Spedition oder Paket sind jedoch möglich (verbogene Stäbe, mechanische Beschädigungen bei weichen Metallen wie Kupfer oder geschliffene Erzeugnisse etc.). Wir bitten den Kunden, die Beschädigungen unverzüglich beim Spediteur oder dem Paketdienst zu reklamieren und uns möglichst schnell zu informieren (allgemein § 377 HGB). Je nach Schaden und Bedarf versuchen wir dann schnellstmöglich eine Ersatzlieferung zu versenden.

Beim Versendungskauf ist der Gefahrübergang und die Haftung im Artikel § 447 BGB geregelt (§ 474 BGB gilt nur bei Verbrauchsgüterkäufen).

 

 

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Haftung

 

Unsere Haftung bzw. Haftungsbeschränkungen bei Sachmängeln sind in unseren AGB Abschnitt X beschrieben.